Architektur Studio Roth

Sport- und Freizeitanlage Meiringen BE

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STÄDTEBAU / BAUKÖRPER

Zum bestehenden Hallenbadgebäude, das in seiner Volumetrie grösstenteils unberührt bleibt, werden zwei Ergänzungsbauten dazugestellt; ein neues eigenständiges Turnhallengebäude südöstlich der Anlage, welches funktional über das Untergeschoss mit dem Bestand verbunden ist, und ein turmartiger Annexbau im Südwesten, der die Bereiche Schul- und Freizeitbetrieb zoniert und durch seine volumetrische Setzung das Ensemble von Bildungs- und Sportbauten gleichzeitig bindet und im ortsbaulichen Kontext akzentuiert.

Die städtebauliche Stellung des Turnhallen-Neubaus erzeugt in seiner volumetrischen Kompaktheit eine maximale stadträumliche Verdichtung in der dreiseitig von Bauten besetzten Situation. Die plastische Präsenz der Stirnfassade schafft zusammen mit der neu gestalteten Eingangssituation im Altbau eine angemessene Adressbildung der Anlage entlang der Pfrundmattenstrasse und steigert zugleich die Qualität der grünen Sportwiese als grosszügige Freifläche nördlich des Areals.

Um die Grösse des geforderten Turnhallenvolumens kleiner erscheinen zu lassen und in der Massstäblichkeit das Ortsbild und die Aussenräume der angrenzenden Nachbarhäuser nicht zu dominieren, wird der Turnhallenboden auf das Niveau des Untergeschosses gesetzt. Dies suggeriert funktional die Unterordnung des Neubaus gegenüber dem bestehenden Hauptgebäude, ohne seine physischer Präsenz und Einprägsamkeit preiszugeben.

 

ARCHITEKTONISCHER AUSDRUCK UND MATERIALISIERUNG

Das markante Dach des bestehenden Hallenbadgebäudes aus den 1970er Jahren wird in der ortsbaulichen Signifikanz und Bildhaftigkeit als prägendes Motiv für die volumetrische Entwicklung und Fassadengestaltung der neuen Sport- und Freizeitanlage aufgegriffen und neu interpretiert. Die thematischen Vorbilder für Bauten mit expressiven, tiefsitzenden Dächern finden sich in der regionalen traditionellen Baukultur. Die Vorstellung, einen modernen Bautypus an den Charakter eines ländlichen Landhausstils anzulehnen, ist so radikal wie auch verführerisch. Darüber hinaus impliziert die imposante Bergkulisse vor Ort eine gewisse Romantik in der architektonischen Gestalt, die auch in der Fernsicht ihre Wirkung entfalten soll.

Rhombusförmig profilierte Holzlamellen verleihen der Fassadenhaut eine neue «weiche» Erscheinung und kontrastieren in ihrer Filigranität die massiven Betontragelemente des Bestands und des Neubaus.

 



INNENRAUM UND NUTZUNG

Für die innenräumliche Atmosphäre wird eine gewisse «Grandezza» und Eleganz gesucht, die Weltoffenheit und Gastfreundlichkeit für Touristen ausstrahlt, gleichzeitig aber auch dem regelmässigen Schul- und Sportbetrieb in seinen funktionalen Ansprüchen gerecht wird.

Als Haupteingriff im bestehenden Sportgebäude wird die Schwimmhallendecke um eine Geschosshöhe nach oben versetzt. Das Schwimmbad gewinnt dadurch an Ausdruckskraft und erhält den Charakter eines öffentlichen Bades. Die so entstehende, neue und durch ihre Höhenlage attraktive Geschossfläche wird für den Wellness- und Fitnessbereich mit Aussicht auf die Berge genutzt. Diese Massnahme schafft gleichzeitig vielfältige Sichtbezüge zwischen Fitnessraum, Foyer und Schwimmhalle.

Sämtliche Bereiche der Sportanlage werden über ein grosszügiges zweigeschossiges Foyer erschlossen, das sich an beiden Enden in die Grundrisstiefe erweitert und Zugang zum Badeshop mit Blick in die Schwimmhalle verschafft. Von hier führt der Weg zu den Garderoben, die für den Turnhallen- und Schwimmbadbetrieb im Erd- und Untergeschoss und für den Wellness-, Fitnessbetrieb im Obergeschoss verteilt sind.

Die Raumproportionen und der lange Bartresen verleihen dem Foyer den öffentlichen Charakter einer repräsentativen Eingangshalle, die für besondere Anlässe auch autonom z.B. als Festsaal funktionieren kann, ohne den Normalbetrieb zu beeinträchtigen. In diesem Fall betritt der Besucher die Anlage über den nordwestlichen Seiteneingang und gelangt so über die Rückseite des zweiseitig bedienbaren Barmöbels in die Anlage. Die Schüler behalten ihren separaten Eingang im bestehenden Verbindungstrakt und gelangen direkt, ohne das Foyer durchqueren zu müssen, ins Untergeschoss zu den Schülergarderoben.

Die Schwimmhalle ist nutzungsspezifisch in drei Beckenbereiche mit Bezug zum Aussenraum aufgeteilt: das 25m Sportbecken, das Erlebnisbecken für Wellnessgäste und das Nichtschwimmerbecken als Auslaufbecken für die Aussenrutschbahn. Diese Zonierung gewährt den Badegästen mit unterschiedlichen Bedürfnissen einen komfortablen Aufenthalt.

Die Turnhalle verfügt im Untergeschoss über ein separates Foyer, welches über eine grosse Treppe vom Eingangsfoyer im Erdgeschoss erschlossen ist. Die Positionierung der Produktionsküche auf Turnhallenniveau ermöglicht mit ihrer vertikalen Verbindung (Speiselift) ins Erdgeschoss die Bewirtschaftung beider Foyers bei zwei voneinander unabhängig stattfindenden Anlässen.

Die Empore der Turnhalle dient als Vorraum zu den Tribünen und zusätzlichen Zuschauerraum und kann bei Bedarf mittels eines schallisolierenden Hubvorhangs zu einem separaten Raum z.B. für Schulungszwecke umfunktioniert werden.

Die Raumabfolgen und die Setzung der Garderoben sind so angelegt, dass es keine Durchkreuzungen von Barfuss- und Turnschuhzonen innerhalb der Anlage gibt. Der Wellnessbereich ist mit einer einläufigen Treppe im Turmannex direkt mit dem Schwimmbad verbunden. Die Garderoben im Erdgeschoss können je nach Betriebskonzept oder Bedarf dem Turn-, Schwimm- oder Wellnessbereich zugeordnet werden.

Neben der Aussicht in die Berge wird die bestehende Dachform in die Entspannungswelt des Wellness einbezogen, was die Vorstellung eines Ortes in den Bergen verstärkt. Die Funktionen werden in diesem Sinne gestapelt angeordnet, um den Dachraum optimal auszunutzen.

 

REALISIERBARKEIT UND ETAPPIERUNG

Das Projekt zeichnet sich durch eine maximale Kompaktheit der Gebäudekörper aus. Für die Erweiterungsbauten werden einfache Konstruktionsweisen und Materialisierungen analog zum bestehenden Gebäude vorgeschlagen; konventioneller Massivbau in Ortbeton und Backstein. Das Tragprinzip des neuen Turnhallendaches mit Primär- und Sekundärträgern aus Beton folgt dem der alten Turnhallen. Die Fassade wird gemäss den Anforderungen für Minergie aussen gedämmt. Die Fassadenverkleidung aus lasiertem Fichtenholz ist mit einer verputzten Aussendämmung preislich konkurrenzfähig, in der Dauerhaftigkeit dieser aber überlegen. Die Fenster werden als konventionelle, lediglich lasierte Holzfenster ausgeführt, wobei für den Minergie-Standard eine Zweifach-Verglasung ausreicht. Die lasierte Oberfläche der Holzlamellen verspricht eine gute, unterhaltsarme Alterung. Die Erdbebensicherheit des Altbaus ist mit zusätzlichen Betonwänden in Längsrichtung des Gebäudes gewährleistet.

Die Etappierung ist so ausgelegt, dass während der 1. Umbauetappe (Erweiterung der Schwimmhalle mit Schülergarderoben im Untergeschoss) der Turnhallenbetrieb – wenn auch in eingeschränkter Form - mit den dazugehörigen Garderoben im Erdgeschoss aufrecht erhalten werden kann. In der 2. Etappe wird der Turnhallen-Neubau realisiert und das Erdgeschoss mit Foyer und Erwachsenen-Garderoben ausgebaut. Die Obergeschosse mit den Fitness- und Wellnessnutzungen sind Bestandteil der 3. Etappe.

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