Architektur Studio Roth

Theater- und Konzertsaal Greifensee ZH

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ORTSBILD UND ARCHITEKTONISCHER AUSDRUCK

Das Interesse im vorliegenden Projekt gilt der Atmosphäre des verlebten, gebrauchten, gewachsenen Raumes im Kern des Städtli Greifensee. Ein historisch geprägter Ort mit einer geerdeten Grösse, bespielt mit kulturellen und religiösen Ereignissen.

Mit einer nahezu mythischen Kraft steht der über hundert Jahre alte Steinbrunnen am zentralen Platz an der Schlossstrasse. Ein starker Ort mit einer märchenhaften Ausstrahlung. Ein Ort, der alte und neue Geschichten erzählt.

Das Projekt „Chaconne“ will vor allem eines: die einmalige Atmosphäre des Städtchens Greifensee erhalten und zugleich den Ort in seinem öffentlichen Charakter stärken.

Der neue Ausdruck der Landenbergfassade nimmt seine Vorbilder aus landwirtschaftlichen Gewerbebauten der Region. Die kleingliedrige Befensterung im Sockelbereich kombiniert mit grossformatigeren Öffnungen im oberen Teil der Fassade sind typische Motive einer Scheunen-Architektur. Fünf vitrinenartige Kastenfenster vermitteln durch ihre integrierte Beleuchtung als Leuchtkörper zwischen Innen- und Aussenraum. Gleichzeitig dienen diese Fenster als mögliche Werbe-Fläche. Hinterleuchtete Künstlerportraits oder Veranstaltungsplakate laden die Besucher ein, den Programmen im Landberghaus zu folgen. Ausdruckswille einer kleinstädtischen Kulturszene mischt sich hier mit einem Hauch Mondänität und verdichtet die programmatische Bedeutung der Platzanlage zu einem gesellschaftlich-öffentlichen Stadtteil.

Atmosphärisch baut der Innenraum ebenfalls auf eine gewisse Rohheit und tektonische Selbstverständlichkeit einer Holzscheune. Hier soll keine Infrastruktur für Klein- oder Kellertheater entstehen, auch nicht ein pompöses Cüpli-Foyer ist das Ziel. Das Landenberghaus wird als das, was es einmal war, neu interpretiert: eine Schlossscheune, die wieder belebt werden soll. Kein Theater mit fixen Stuhlreihen, sondern ein Ort, der Platz bietet für Experimente und für neue bewegte, bewegende Geschichten.

  

ORGANISATION UND NUTZUNG

Die Anordnung der Foyers zusammen mit gezielten Durchbrüchen zwischen Pfarr- und Landenberghaus erlauben eine flexible Nutzung der drei Veranstaltungsräumen Saal, Mehrzweck- und Vereinsraum.

Weiter besteht durch die Zweiteilung des Foyers Landenberg in eine Vorzone mit Garderobe und einen Teil, der gegebenenfalls auch dem Bistro zugeschlagen werden kann, die Möglichkeit, drei Veranstaltungen unabhängig voneinander durchzuführen, mit je einem separat genutzten Foyer.

So können z.B. Vereinsanlässe im 1.OG auch stattfinden, wenn der Mehrzwecksaal im EG mit dem Foyer Pfarrhaus belegt ist. Oder umgekehrt ist die Zugänglichkeit zum Mehrzweckraum durch die direkte Verbindung zum Foyer Landenberg auch gegeben, wenn das Foyer Pfarrhaus für Vereinsanlässe genutzt wird.

Der Saal kann mittels Holztoren, die unterhalb der Galerie angebracht sind, unterteilt bzw. verkleinert werden. So kann z.B. der Barbetrieb im EG mit dem Vorraum im 1.Obergeschoss als Einheit funktionieren. Die Saalbesucher nutzen in diesem Fall das Foyer Landenberg auf der Städtliseite.

Mobile Tribünenelemente auf der Galerie garantieren eine optimale Sicht auf das Bühnengeschehen. Die bühnentechnische Gebrauchstauglichkeit des Saals ist durch einen geräumigen „Bühnenturm“ im Dachstuhl erhöht. Umlaufende Metallschienen in den Deckenfeldern erlauben eine flexible Einstellung der technischen Beleuchtung und können gleichzeitig als Halterung für Bühnenbild- oder raumgliedernde Elemente eingesetzt werden.

Die grossflächigen und unebenen Brandmauern brechen und reflektieren den Schall in mehrere Richtungen und sorgen für ein räumliches Musikerlebnis bei Konzertaufführungen. Für eine gute Hörverständlichkeit bei Sprachdarbietungen kann der Saal durch das Aufziehen von raumhohen Vorhängen bezüglich Nachhallzeit verbessert werden.

Die Attraktivität des Mehrzweckraums als versenkten Abstellraum im Bestand wird durch die zusätzliche Anbindung an das Foyer Landenberg und damit an den seeseitigen Aussenraum gesteigert.

Die Position des Aufzugs im Pfarrhaus erlaubt einen rollstuhlgängigen Zugang auf allen Ebenen, inkl. Galerie im 2.OG. 

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