Architektur Studio Roth

Regierungsgebäude Frauenfeld TG

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STÄDTEBAU UND ARCHITEKTONISCHER AUSDRUCK  

„Thurgau entwickeln - Thurgau bleiben“

Das 1868 erstellte und vor kurzem restaurierte Regierungsgebäude im Kantonshauptort Frauenfeld war der erste repräsentative Bau des Kantons Thurgau. Er steht in seinem Ausdruck für das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der Bevölkerung. Um es mit den Worten von Jakob Stark, Regierungsrat und Chef Departement für Bau und Umwelt, zu sagen: „ Es ist schön, vielleicht sogar prächtig, aber nicht wuchtig, nicht protzig, es passt zu unserem Kanton.“ Diese Aussage stand im Entwurfsprozess des Erweiterungsneubaus als städtebauliches und architektonisches Leitbild. Es galt ein Gebäude zu entwerfen, das die tradierten Werte des Kantons widerspiegelt und seine gleichzeitige Modernität auf der stilistischen, wie auch auf der Bedeutungsebene erfüllt. Es ist nicht politische Macht, die repräsentiert wird, sondern die Solidarität der Bevölkerung und das gute Einvernehmen zwischen dem Staat und ihren BürgerInnen. Ein grosszügig gestalteter Stadthof, ein offener, von Bewohnern und Beamten gemeinsam genutzer Parkraum steht sinnbildlich für die in der Gesellschaft gut positionierte und nah an den Bewohnern agierende Verwaltung. Ein Monument - im tieferen Sinne - für die Demokratie!

Das Erweiterungsgebäude schliesst formal und in den volumetrischen Grundkompositionen an das alte Regierungsgebäude an. Gleichzeitig geht der 4-geschossige Holzbau auf die Körnung der umliegenden Bebauung ein, indem das Volumen an manchen Stellen bewusst gebrochen wird, um den Baukörper adäquat ins Quartier einzugliedern.

So entsteht ein subtiler, eigenständiger Zweckbau im Spannungsfeld zwischen pittoresken mittelalterlichen Häuserzeilen im Norden, villenartigen Solitären mit ausgeprägtem Baumbestand im Süden und der für das 19. Jahrhundert typischen Repräsentationsarchitektur auf der Westseite.

 

RAUMORGANISATION UND FUNKTIONALITÄT

Eine offene Laube entlang des Hofs erschliesst die Hauptzugänge zum neuen Regierunsggebäude. Ein langgestrecktes Foyer verbindet im Erdgeschoss die beiden vertikalen Erschliessungseinheiten der Obergeschosse. Gleichermassen als Wartehalle für Besucher ist es der Vorraum für die übergeordnet nutzbaren Sitzungsräume auf der Südseite. In der räumlichen Fortsetzung des Empfangs liegt die Cafeteria im äussersten Gebäudeteil auf der Nordostseite. Durch deren zur Gesamtanlage leicht exzentrischen Positionierung, funktioniert die Cafeteria auch für den externen Gebrauch, im Gegensatz zur eher internen Cafeteria im Bestandesgebäude. Dies trägt zur Belebung des Quartiers an der nordöstlichen Parzellengrenze bei und birgt durch die Aufwertung des ursprünglichen Hinterhofcharakters der umliegenden Wirtshäuser das Potenzial eines neuen städtischen Orts.

Gesamthaft sind im Neubau fünf Büromodule untergebracht, die sich beliebig organisieren lassen. Das Bürokonzept basiert auf dem Primat einer hohen funktionalen Flexibilität. Teamorientiertes Arbeiten im „Open- Space-Office“ soll ebenso umsetzbar sein wie Einzelbüros für individuelle oder auf Diskretion ausgerichtete Aufgabenbereiche. Durch die gewählte Holzskelettbauweise sind ebenso kleinteilige Rückzugs- und Aufenthaltsbereiche, wie grossflächige, hintereinandergeschaltete Sitzungszimmer realisierbar. Terrassen, Balkone und Loggien sorgen für ein vielfältiges Aussenraumangebot. Die Parkanlage mit Sitzbänken und zwei grossen Kastanienbäumen ergänzt die Aufenthaltsqualität der Gesamtanlage auch für Besucher und Anwohner.

 

KONSTRUKTION UND MATERIALISIERUNG

Die Tragstruktur des Erweiterunsggebäudes bildet ein hybrides Holzbausystem, das im Zentrum durch massive Ortbetonkerne stabilisiert wird. Das sogenannte LCT-Bausystem ist eine innovative Holzbaumethode, die auf hohem Vorfertigungsgrad basiert und somit einen schnellen und lärmemissionsarmen Bauablauf garantiert. Die Holz-Beton-Verbunddecken gewährleisten die hohen Ansprüche an Brandschutzsicherheit auch für mehrgeschossige Bauten. Gleichzeitig bleibt das Material Holz als Haupttragstruktur spürbar. Die Skelletbauweise erlaubt eine individuelle Raumaufteilung.

 

NACHHALTIGKEIT  UND WIRTSCHAFTLICHKEIT

Der städtische Holzbau soll bezüglich Energieverbrauch und ökologischem und ökonomischen Einsatz von Bau-Materialien einen Vorbild-Charakter ausweisen. Die Gebäudetechnik wird sparsam und gezielt eingesetzt. Das Verteilnetz der Lüftungsanlage erfolgt über zentral gelegene Steigzonen in den massiven Betonkernen. Kurze Leitungswege über den Hohlboden der Geschossdecken erlaubt einen effizienten Luftaustausch mit wenig Wärmeverlusten.

Holz ist ein ressourceschonendes Material und braucht auch wenig Energie in der Verarbeitung.

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